Davis Cup - Edelreservist für wichtigen Moment
Rafael Nadal, Fernando Verdasco, David Ferrer und Feliciano López bilden das hochfavorisierte spanische Quartett, das am Wochenende im Davis-Cup-Finale gegen Tschechien antritt. Der Blick auf die Weltrangliste zeigt die Klasse der Iberer: Nadal ist Zweiter, Verdasco Neunter, Ferrer 18. und López 47.
Insgesamt tummeln sich unglaubliche neun Spanier unter den Top 50. Am Wochenende bestreitet die "Armada" ihr fünftes Davis-Cup-Finale in zehn Jahren. Die Titelverteidiger haben damit eindeutig ein Luxusproblem. Das zeigt auch der Blick auf die Davis-Cup-Ersatzbank: Dort wird Juan Carlos Ferrero sitzen. Als Edelreservist sozusagen.
Ihre Eminenz Juan Carlos
2009 gewann der 29-Jährige immerhin das Turnier von Casablanca, stand im Finale von Umag, scheiterte erst im Halbfinale im Londoner Queen's Club und steht derzeit auf Weltranglistenplatz 23. Doch viel wichtiger für das spanische Tennisjahr - es war Ferrero, der seinem Davis-Cup-Team den Weg ins Finale geebnet hatte. Die Spanier waren drauf und dran, im Viertelfinale gegen Deutschland rauszufliegen, nachdem Philipp Kohlschreiber überraschend erst Verdasco und schließlich Tommy Robredo bezwungen hatte. Ferrero, der damals schon der Edeljoker auf der Bank war, holte den entscheidenden Punkt zum 3:2, der das Halbfinale bedeutete. Vier Jahre hatte Ferrero nicht für das Davis-Cup-Team gespielt, und gleich bedeutete sein Einsatz Alles oder Nichts für Spanien. Im Halbfinale gegen Israel setzte der "Moskito" seine Erfolgswelle fort und bereitete mit einem Sieg im Auftaktmatch den Weg für das Endspiel.
Der ruhige Ferrero übt sich auch in der Nebenrolle in Bescheidenheit, fast schon in Demut, wie ein Untergebener am königlichen Hof: "Hier bin ich zu Ihren Diensten", sagte er vor Davis-Cup-Finale Richtung Tennis-Verband und Team-Kapitän Albert Costa. Die Sportzeitung "As" verpasste Ferrero daraufhin den Titel "Eminenz des Davis Cup". "König" hätte sie ihn eigentlich auch nennen können, den passenden Vornamen hat Ferrero ja.
Ferrero holte erste "Salatschüssel"
Doch allzu bescheiden muss Ferrero nicht sein. Im Davis Cup war auf den diesjährigen Wimbledon-Viertelfinalisten in den entscheidenden Momenten immer Verlass. Im Finale 2000 gewann die Ex-Nummer eins von 2003 gegen Lleyton Hewitt und machte damit die erste "Salatschüssel" für Spanien klar. Mit 5:0 Siegen sorgte er zudem für den Davis-Cup-Rekord 2000. Vier Jahre später fuhr Ferrero wichtige Siege gegen Frankreich und die Niederlande ein und trug seinen Anteil zum zweiten Davis-Cup-Erfolg der Spanier gegen die USA in Sevilla bei.
Am Wochenende nimmt Ferrero vorerst wieder seine Nebenrolle auf der Bank ein. Verdasco, der nach seiner Muskel-Verletzung beim Masters Finale in London erst am Montag das Training wieder aufgenommen hat, soll fit sein im Duell gegen die Tschechen. Genauso wie Nadal, der die ganze zweite Saisonhälfte mit Verletzungen zu kämpfen hatte und sich in London während seiner Matches immer wieder behandeln lassen musste. Der Weltranglisten-Zweite kehrte ohne Match- und Satzgewinn aus England zurück. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass Albert Costa im Palau Sant Jordi von Barcelona doch noch sein As aus dem Ärmel zieht.